Logo svfaq.de: Häufig gestellte Fragen zum Thema: Wie gründe ich eine Schülerverbindung?

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Quelle: Der Convent, 33. Jahrgang (1982), S. 136–141

Wie gründet man eine Schülerverbindung?

Ein Schwerpunkt unserer Aufklärungsarbeit liegt darin, Wesen und Sinn akademischer Verbindungen schon in den Oberstufen der Gymnasien bekannt werden zu lassen. Eines der Mittel dazu ist der Kontakt mit Schülerverbindungen - und wo solche noch nicht existieren, ihre Neugründung.

Oftmals werden Ansätze zu solchen Neugründen nur wegen mangelnder Erfahrung bei Alten Herren und Aktiven von Hochschulverbindungen nicht wahrgenommen. Ein junger Verbindungsstudent, AH-Vorsitzer einer im Bodenseeraum vor wenigen Jahren gegründeten Schülerverbindung, hat deshalb hier seine Erkenntnisse und Vorschläge zusammengestellt.

Wenn es gelänge, in breiter Zusammenarbeit zwischen allen Korporationsstudenten nur an jeder zweiten höheren Schule eine einzige Schülerverbindung ins Leben zu rufen, brauchten jährlich tausende von Absolventen nur noch durch die Attraktivität der einzelnen Hochschulverbindung »gekeilt« zu werden - anstatt, wie bislang, überall erst mühsame Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit beginnen zu müssen.

Sich mit den folgenen Überlegungen intensiv zu beschäftigen und sie im eigenen Heimatbereich zu nutzen, seien alle Verbandsbrüder im Interesse des Korporationsstudententums herzlich gebeten!

Herbert Wesener
CC-Amtsleiter für Nachwuchsarbeit

 

Neben den etwa 50 älteren (z. T. seit 1824 bestehenden) deutschen Schülerverbindungen sind seit 1977 mindestens 8 Neugründungen und mehrere Reaktivierungen bekanntgeworden. Fast alle Neugründugen und auch einige der Reaktivierungen gingen von Mitgliedern von Hochschukorporationen aus.

Hier soll nun der Versuch gemacht werden, auf Grund der bisherigen Erfahrungen Anregungen für weitere Neugründungen zu geben. Es wird um Verständnis gebeten, wenn weitgehend auf die persönlichen Erfahrungen des Verfassers bei der Gründung der Freien Schülerverbindung Hohentwiel zu Radolfzell am Bodensee zurückgegriffen wird.

Zu allen Anregungen muß betont werden, daß sämtliche Entscheidungen bei einer solchen Gründung ausschließlich Sache derjenigen Alten Herren und Aktiven sind, die die damit verbundene Mühe auf sich nehmen. Sie sollten von den anderen Schülerverbindungen und Hochschulverbänden respektiert werden, wie auch immer sie ausfallen!

I. Zielsetzung

Es besteht immer die Versuchung, Schülerverbindungen nur als Nachwuchsquelle für den eigenen Hochschulverband oder gar für eine einzelne Verbindung zu betrachten. Sämtliche Erfahrungen zeigen aber, daß eine solche Beschränkung sowohl für die Schülerverbindung als auch für den Hochschulverband fast nur Nachteile bringt. Daher sind heute fast alle neugegründeten Schülerverbindungen unabhängig von bestimmten Hochschulverbänden (s. Anhang).

Für die Gründung einer Schülerverbindung kommen folgende Motive in Betracht:

1. Förderung der Jugendarbeit

Völlig unabhängig vom Korporationswesn ist es ien lohnenswertes Ziel, Jugendlichen Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung zu bieten. Her können Schülerverbindungen eine echte Lücke für Jugendliche ab etwa 15 Jahren schließen: In diesem Alter sprechen weltanschaulich orientierte Gruppen (z. B. kirchliche) viele Jugendliche nicht mehr an, und andere Vereine richten ihre Jugendarbeit fast ausschließlich auf den jeweiligen Vereinszweck (z. B. Sportclub) und dessen Nachwuchsbeschaffung.

Aus dieser Zielsetzung ergeben sich nun schon einige Folgerungen für die Gestaltung einer Schülerverbindung:

  • weitgehende politische und religiöse Offenheit, keine übertriebenen Aufnahmebedingungen etwa in finanzieller Hinsicht, bei Kleidungsanforderungen oder bei Anwesenheitsverpflichtungen. Zusätzliches Engagement in einer politschen Gruppe oder in einem Verein sollte gefürdert werden. Auch für die Mitgliedschaft von Mädchen können flexible Regelungen getroffen werden.
  • keine enge Begrenzung auf bestimmte Schultypen wie etwa Gymnasium. Jede Vollzeitschule ab Klasse 10 sollte akzeptiert werden; ein Verbleib bei Aufnahme einer Berufsausbildung muß möglich sein.
  • keine Übertreibung von Verbindungsattributen. Eine Schülerverbindung sollte nicht dazu da sein die Couleur-Frustrationen mancher Alten Herren an hochschulfernen Orten abzureagieren.

2. Förderung des Korporationswesens

Der Korporationsgedanke kann in einer Schülerverbindung genauso wie in Hocschulverbindungen gepflegt werden. Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, Eintreten für diese Gemeinschaft - beides auf Lebenszeit –, Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Ausgleich von Spannungen zwischen verschiedenen Altersstufen, freiwillige Anerkennung von Regeln, Übernahme von Pflichten, Erziehung zu bzw. Einüben von sozialem Verhalten, Auftreten, korrektes Benehmen, Verantwortungsbewußtsein – all das macht wohl eine Korporation aus und hängt bestimmt nicht von einem Universitätsstudium ab.

3. Nachwuchs für die akademischen Korporationen

Selbstverständlich sollte auch dieses Motiv eine Rolle spielen, nur eben nicht ausschließlich! Jedem Aktiven sollte es freigestellt sein, ob er im Falle eines Studiums einer Hochschulverbindung beitritt; ebenso sollte die Wahl der Verbindungen frei sein.

Alte Herren und Hochschulverbindungen müssen hier durch ihr Beispiel wirken und nicht durch satzungsmäßige Verpflichtungen. Selbstverständlich wird jeder engagierte AH versuchen, in der Schülerverbindung eine gewisse Präferenz für seinen Hochschulverband zu erreichen - das ist legitim und auch für die Schülerverbindung nur nützlich, solange nicht mit Diffamierung gegen andere Hochschulverbände gearbeitet wird.

II. Vorbereitungen

Nach diesen mehr theoretischen Überlegungen nun einige praktische Hinweise zur Gründung einer Schülerverbindung. Natürlich sind die Bedingungen überall unterschiedlich; insbesondere kann man an Universitätsstädten auf die personellen und räumlichen Möglichkeiten der anderen Korporationen zurückgreifen.

Häufiger anzutreffen ist aber wohl die Situation in einer mittelgroßen Stadt ohne Hochschule, von der im folgenden ausgegangen werden soll.

1. Setzen Sie sich zusammen!

Statistisch sind etwa0,3 % der bundesdeutschen Bevölkerung Angehörige einer Hochschulverbindung, d. h. es gibt in einer mittleren Stadt etwa 50 bis 150 Alte Herren. Meist sind die Adressen der Altherrenzusammenschlüsse wechselseitig bekannt, sonst sind sie über die Sekretariate der verschiedenen großen Verbände zu erfahren.

Wenn eine Schülerverbindung gegründet werden soll, sollten alle gemeinsam darüber beschließen, damit sich nachher auch alle damit identifizieren. Die Hoffnung, daß sich nach vollzogener Gründung die anderen schon anschließen werden, wenn die Schülerverbindung floriert, ist leider trügerisch (wie das Radolfzeller Beispiel bewiesen hat).

2. Wer macht die Arbeit?

Sollte es unter 50-150 Alten Herren nicht drei bis fünf geben, die bereit sind, eine Schülerverbindung zu ihrem Hobby zu machen? Am besten bildet man bereits einen provisoreischen Altherrenvorstand mit Vorsitzendem, Stelltvertreter, Schriftführer, Kassier und (wichtig!) Gründungs-Fuxmajor.

Man muß sich aber im klaren sein, daß es mindestens fünf Jahre dauert, bis diese Aufgabe (mit Ausnahme des FM) an echte Alte Herren der Schülerverbindung abgegeben werden können.

3. Finanzierung

Finanzielle Mittel werden in der Größenordnung von 2.000 DM pro Jahr benötigt:

  • Es entstehen allgemeine Ausgaben der Verbindung wie Porto, Drucksachen, Programme, Flugblätter u. ä., Für die Zielgruppe 15-17jähriger Schüler ist es unzumutbar, den Eintritt an die Bezahlung von Couleurartikeln wie Band, Mütze und Bierzipfel (heute ca. 100 DM) zu knüpfen. Daher muß die Verbindung diese Dinge mindestens vorfinanzieren.
  • Wenn aus Repräsentationsgründen Veranstaltungen durchgeführt werden, die für die Teilnehmer entsprechend kostspielig sind, müssen die Aufwendungen für die Aktiven tragbar sein. Ebenso müssen Besuche bei anderen Verbindungen bezuschußt werden.
  • Und schließlich sollte es möglich sein, daß die Altherrenkasse auch mal ganz unbürokratisch eine Runde Bier für die Aktiven ausgibt.

Das zunächst geringe Beitragsaufkommen der Aktiven sollte schon aus erzieherischen Gründen von diesen in Eigenverantwortung verwaltet werden.

Für die Finanzierung bieten sich drei Möglichkeiten an:

  • Einzelne Alte Herren treten der Schülerverbindung als Gründungsmitglieder, fördernde Mitglieder o. ä. bei und verpflichten sich zu einem Jahresbeitrag (bei bestehenden Verbindungen zwischen 30 und 100 DM).
  • Die örtlichen Altherrenzusammenschlüsse stellen einen bestimmten Teil ihres Beitragsaufkommens bereit, z. B. 5 DM pro zahlendes Mitglied.
  • Eine Hochschulverbindung in einem nicht zu weit entfernten Hochschulort übernimmt die Patenschaft und stellt ebenfalls im Rahmen ihres Etats einen Betrag bereit.

Am besten verfolgt man alle drei Möglichkeiten nebeneinander. Wäre es nicht sinnvoll, die manchmal sehr hohen Repräsentationsaufwendungen von Altherrenzusammenschlüssen und Verbindungen zugunsten eines solchen Zwecks etwas einzuschränken?

4. Ansatzpunkte unter den Schülern

Es lassen sich mit Sicherheit mehrere solcher Ansatzpunkte feststellen, zum Beispiel AH als Lehrer an den Schulen, Söhne von AH ab Klasse 9 aufwärts, Söhne von Bekannten oder Schüler in der Nachbarschaft usw.

Bei manchen Neugründungen bestand der Ansatzpunkt in einem einzigen Schüler, der Freunde und Klassenkameraden nachgezogen hat. Wichtig ist noch, daß man hauptsächlich Schüler der 10. und 11. Klasse anspricht, damit diese der Verbindung noch lange genug zur Verfügung stehen.

5. Informationsveranstaltungen

Flugblätter und sonstige Veröffentlichungen sind notwendig und nützlich, entscheidend ist aber die persönliche Ansprach von Interessenten!

Dies gilt natürlich genauso für die laufende Mitgliederwerbung wie für die Gründungsphase. Eine Schülerverbindung tut sich hier leichter als Hochschulverbindungen, da die persönlichen Kontakte unter den Schülern enger sind. Um eien gewisse Hemmschwelle zu überwinden, sollten Interessenten am Anfang immer persönlich abgeholt werden.

Sehr wichtig sind auch häufige Informationsbesuche bei anderen Schülerverbindungen und Hochschulverbindungen.

III. Die Gründung

Nachdem auf diese Weise die personellen und organisatorischen Voraussetzungen für eine Gründung geschaffen sind, kann die formelle Gründung stattfinden, je nach den Gegebenheiten als Kommers, Kneipe oder Convent.

Festzulegen ist der Verbindungsname und die Bezeichnung. Für den Verbindungsnamen werden meist lokale Umstände maßgebend sein, sonst gibt das Buch »Die Pennalie« von Oskar Waas (Aula-Verlag Graz 1967) eventuell einen Hinweis, da dort auch mehrere hundert frühere deutsche Schülerverbindungen namentlich aufgeführt sind.

Als Bezeichnung kommen vor: Pennälerverbindung, Schülerverbindung, Gymnasialverbindung, Abiturienten- und bsolventenvereinigung, Pennales Corps, Pennale Burschenschaft ...

Nachdem der Symbolgehalt von Farben aus der Mode gekommen ist, können die Verbindungsfarben aus den Stadtfarben abgeleitet werden, wenn keine andere Anregung vorliegt.

Zu klären ist auch, ob die Farben getragen werden. Fast alle bestehenden Schülerverbindungen haben Band, Mütze und Bierzipfel. Man sollte es hier den Aktiven überlassen, in welchem Umfang sie das Farbentragen im Rahmen der Schülerverbindung praktizieren wollen; für Besuche anderer Verbindungen sollten aber Band und Mütze zur Verfügung stehen.

Alte Herren von nichtfarbentragenden Hochschulverbindungen mögen nun befürchten, daß dadurch bereits eine bestimmte Fixierung erfolgt. Die Erfahrung hat aber gezeigt, daß dies keine entscheidende Frage für die Wahl der späteren Hochschulverbindung ist.

IV. Zusammenfassung

Fast alle Hocschulverbände haben Nachwuchsprobleme, trotz oft sehr hoher Werbeaufwendungen. Durch eine Wiederbelebung des Schülerkorporationswesens könnte für das Korporationswesen allgemein und für den Nachwuchs der Hochschulverbindungen sehr viel erreicht werden, wenn sich die örtlichen Altherrenzusammenschlüsse engagieren würden!

Die im Anhang aufgeführten Schülerverbindungen sind sicherlich gerne bereit, Neugründungsprojekte zu beraten. Ergänzende Informationen können auch vom Verfasser bezogen werden.

Matthias Glockner
AHx der FSV Hohentwiel Radolfzell am Bodensee
in CC-Blätter, Juni 1982

 

Anhang

Neugegründete Schülerverbindungen (in zeitlicher Reihenfolge, ohne Gewähr für Vollständigkeit)

Katholische Schülerverbindung AHO-SUEVIA Ehingen
Kollegiengasse 5, 7930 Ehingen an der Donau, gegründet am 20. 5. 1977 vom CV-Ortszirkel Ehingen und der KDStV Wildenstein Freiburg, ausschließlich auf den CV fixiert.

Pennälerverbindung RHENOGUESTFALIA Bochum
Franzstraße 14, 4630 Bochum, gegründet am 16. 12. 1977 unter Mirtwirkung der Landsmannschaft Rhenoguestphalia-Brunsviga, verbandsunabhängig.

Freie Schülerverbindung HOHENTWIEL Radolfzell am Bodensee
Hausherrnstraße 29, 7760 Radolfzell, gegründet am 16. 12. 1977 unter Mitwirkung von CV-Alten Herren sowie der KDStV der Hohentwiel Stuttgart, seit Ende 1979, verbandsunabhängig.

Gymnasialverbindung GAUDEAMUS Mühlheim an der Ruhr
c/o Horst Hinkelmann, Hermannstraße 135, 4330 Mülheim/Ruhr, gegründet am 22. 8. 1978 unter Mitwirkung des CV-Ortszirkels Mühlheim sowie der KDStV Borusso-Westfalia Bonn, CV-orientiert, jedoch auch Kontakte und Doppelmitgliedschaften zu anderen Verbänden.

Pennälerverbindung BADENIA Freiburg
Maria-Theresia-Straße 12, 7800 Freiburg, gegründet am 16. 2. 1979 unter Mitwirkung der Burschenschaft Teutonia, verbandsunabhängig.

Pennälerverbindung FRANKONIA-TRANSMOENIA Würzburg
Händelstraße 10, 8700 Würzburg, gegründet am 17. 5. 1981 unter Mitwirkung des Corps Makaria-Guestphalia, verbandsunabhängig.

Schülerverbindung SORABIA-WESTFALEN zu Gelsenkirchen
c/o Ulrich Nickel, Fraukampstraße 156, 4650 Gelsenkirchen-Erle, gegründet 1981, nähre Umstände noch nicht bekannt.

Folgende Schülerverbindungen sind zwar älter, entsprechen aber nach den jeweiligen Umständen den Bedingungen einer Neugründung:

Pennales Corps ALT-ROSEN Waldmichelbach im Odenwald
Scheffelstraße 17, 6948 Waldmichelbach, gegründet am 17. 1. 1964 als Internatsverbindung, seit 1976 offene Schülerverbindung, Mitglied im Sudetendeutschen Verband Studentischer Corporationen (SVSC), in Bezug auf akademische Verbände unabhängig und offen für alle.

Abiturienten- und Absolventen-Vereinigung BRUNSVIGA-ABSOLVIA Braunschweig
c/o Jürgen Gruhn, Mittelweg 95, 3300 Braunschweig, gegründet am 14. 8. 1953, erste Reaktivierung 1961-68, Reaktivierung im Sommersemester 1979, Kontakte zu verschiedenen Hochschulverbindungen.

Pennales Corps ALEMANNIA Brünn zu Heidelberg
c/o Dr. Franz Tunkl, Bachstraße 20, 6900 Heidelberg, gegründet 1920, Reaktivierung im Herbst 1981 unter Mitwirkung der Landsmannschaft Vandalia Breslau zu Heidelberg, Mitgliedschaft im SVSC, Verhältnis zu akademischen Verbänden vermutlich entsprechend PC Alt-Rosen.

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